Menu Suche
 

Lernziel Perfektion?

Schriftenreihe Verkehrssicherheit 9

Lernziel Perfektion?
In einer von Mobilitätseuphorie und Perfektionszwang geprägten Kultur fehlen den Jugendlichen Lehr- und Entwicklungszeiten. Viele junge Menschen flüchten daher in eine Art „Jugend-Cool-Tour“.

Das wirkt sich auch auf ihr Verkehrsverhalten und ihre Mobilitätskonzepte aus. Die im Jahr 2000 vom DVR initiierte Studie „Mobilitäts- und Verkehrssicherheitskonzepte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ analysiert die unterschiedlichen Ausformungen dieser „Jugend-Cool-Tour“ und zeigt die Konsequenzen für Präventionsmaßnahmen und Kommunikationskonzepte. Ihre Ergebnisse sind in Band 9 der Schriftenreihe Verkehrssicherheit „Lernziel: Perfektion?“ zusammengefasst.

Ergebnisse der Studie „Mobilitäts- und Verkehrssicherheitskonzepte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen“

Die Jugendlichen unserer Gesellschaft antworten mit Zweckoptimismus und einem abgeklärt erwachsenen Auftreten auf eine Mobilitätseuphorie und einen Perfektionszwang aus ihrem Umfeld. Auch im Verkehrsgeschehen wird von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bereits Souveränität erwartet. Die Zeit des Einübens fällt weg. Dieses Dilemma wird von den Jugendlichen individuell verschieden bewältigt und führt zu unterschiedlichen Lösungsmodellen.

Die Studie unterscheidet acht Mobilitätskonzepte. Während sich einige Jugendliche zurückziehen in Angepasstheit („Brave Mädchen“), in das elterliche Nest („Nesthocker“) oder in virtuelle Welten fliehen, reagieren andere mit demonstrativer Erwachsenheit („Abgeklärte Fahrtüchtigkeit“) oder perfekter Jugendlichkeit („Fit and Fun“). Bei anderen wiederum provoziert Orientierungslosigkeit ein ungestümes Aufbegehren („Ra(s)tlose Auflehner“), verzweifelte Mutproben („Lebens-Müde“) oder verbissene Gegenentwürfe („Neue Fundamentalisten“).

Fahranfänger zwischen 18 und 25 Jahren gehören zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Vor allem „Nesthocker“, „Auflehner“ und „Lebens-Müde“ gelten als Risikogruppen, da sie zu aggressivem Fahrverhalten neigen und durch überhöhte Geschwindigkeit sowie riskante Fahrmanöver auffallen. Generell sind aber die Jugendlichen aller Gruppen nur begrenzt fahrtüchtig.

Künftige Kommunikationsmaßnahmen für junge Verkehrsteilnehmer sollten

Anhang zu Heft 9:
Ergebnisse der Umfrage „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“

Was wissen 18- bis 24-Jährige über das Thema „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“ und wie gehen sie mit der Problematik um? Eine repräsentative Umfrage des forsa-Instituts im Auftrag des Deutsche Verkehrssicherheitsrates ergab im Dezember 2000: Die Mehrheit der jungen Erwachsenen weiß um die Risiken des Alkoholgenusses im Straßenverkehr. Viele sind trotzdem schon selbst einmal unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gefahren oder haben als Beifahrer eine solche Fahrt erlebt.

Die Mehrheit der jungen Erwachsenen weiß um die Gefahren durch Alkohol im Straßenverkehr. Das belegt eine Umfrage des Institutes forsa im Dezember 2000 unter 1.005 jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren. 43 % der Befragten schätzen es richtig ein, dass ein Promille Alkohol im Blut, die Reaktionsfähigkeit um 40 bis 50 % verringert. 38 Prozent gehen sogar von einer noch größeren Beeinträchtigung aus. Dabei zeichnet junge Führerscheinbesitzer ein deutlich höheres Risikobewusstsein aus als Gleichaltrige, die keinen Führerschein haben. Die Mehrheit der jungen Menschen weiß zudem, dass bereits 0,2 Promille erste Auswirkungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit haben und dass unter Alkohol die Gefahr eines tödlichen Unfalls viermal so hoch ist wie nüchtern.

Besonders hoch ist der Kenntnisstand bezüglich des Alkoholabbaus im Blut. Acht von zehn Befragten wissen, dass der Körper etwa 0,15 Promille pro Stunde abbaut. Fast allen (95 %) ist bewusst, dass Fahren unter Drogeneinfluss ausdrücklich verboten ist, Fahrverbot und Geldbußen nach sich zieht. Doch nur jeder Siebte weiß, dass bei Anzeichen von Fahrunsicherheit oder Verwicklung in einen Unfall bereits ab 0,3 Promille der Entzug der Fahrerlaubnis drohen kann.

Trotz des allgemein hohen Risikobewusstseins: 16 Prozent der jungen Erwachsenen sind selbst schon ein- bzw. mehrmals alkoholisiert Auto gefahren, unter den jungen Männern sind es sogar 24 %. Jeder Zweite kennt Gleichaltrige, die auch nach Konsum von Alkohol oder Drogen noch fahren. Ein Viertel der Befragten hat bereits einmal als Beifahrer eine alkoholisierte Fahrt erlebt. Jeder Dritte berichtet von alkohol- oder drogenbedingten Unfällen im Freundes- oder Bekanntenkreis.

Viele der 18- bis 24-Jährigen versuchen, aktiv und frühzeitig das Problem „Alkohol und Fahren“ zu lösen. 85 % klären vor Disko- oder Partybesuch, wer fährt und auf Alkohol verzichtet. Gerade auf dem Land sind drei Viertel der Heranwachsenden auf das Auto angewiesen, um zur Party oder in die Disko zu kommen. Bei Zweifeln an der Fahrtüchtigkeit lassen 92 Prozent der Befragten ihr Auto stehen. Als Konzepte, um Alkoholunfälle zu reduzieren, befürworten die Befragten vor allem besondere Nacht-Taxi-Tarife für junge Menschen und ein besseres Angebot im öffentlichen Personennahverkehr.

ISSN (Print)    2626-9287
ISSN (Online)  2626-9295

Download:

pdf Schriftenreihe 9 – Lernziel Perfektion?

Download:

pdf Schriftenreihe 9 – Anhang