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Sichere Straßen für kleines Geld?

Schriftenreihe Verkehrssicherheit 3

Sichere Straßen für kleines Geld?
Arzneimittel können die Verkehrssicherheit verbessern und beeinträchtigen. Unbehandelte Kranke tragen ein höheres Risiko im Straßenverkehr als behandelte Kranke.

Die Möglichkeit einer Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit durch bestimmte Arzneimittelgruppen und einzelne Pharmaka läßt sich vor allem aus ihrer Wirkung auf das Zentralnervensystem erschließen. So können die sensomotorischen Funktionen, die affektiven oder intellektuellen Fähigkeiten beeinträchtigt werden. Schließlich sind Persönlichkeitsveränderungen, akute und chronische Vergiftungen sowie Entzugserscheinungen bei Suchtstoffabhängigkeit in Betracht zu ziehen. Ferner spielt bei der unter unseren zivilisatorischen Bedingungen gegebenen epidemiologischen Situation die Kombinationswirkung zwischen Alkohol und einer medikamentösen Therapie eine nicht zu unterschätzende Rolle. In diesem Zusammenhang muß auch auf das Problem der Selbstbehandlung ohne ärztliche Kontrolle hingewiesen werden.

Generell ist bei praktisch allen Arzneimitteln zwischen einer Haupt- und bestimmten Neben- bzw. Begleitwirkungen zu unterscheiden. Dabei werden die unerwünschten Wirkungen bei einer Arzneimitteltherapie als Nebenwirkung bezeichnet. Die Funktionssysteme, die für die Verkehrstüchtigkeit notwendig sind, können auch durch derartige Nebenwirkungen von Arzneimitteln beeinträchtigt werden. Die Bedeutung derartiger Nebenwirkungen hat zugenommen in dem Maße, wie Arzneimittel mit höherer Spezifität und Wirkungsstärke entwickelt wurden und die Motorisierung zunahm.

Ganz allgemein ist bei der Beurteilung derartiger Haupt- bzw. Nebenwirkungen von Arzneimitteln die zugrundeliegende Erkrankung in das Beurteilungsspektrum einzubeziehen. Auch die Art der Auswirkungen des Arzneimittels auf die Verkehrstüchtigkeit- bestehen diese in einer Einschränkung der psychomotorischen Leistungsfähigkeit oder bestimmten Veränderungen von Verhaltensmustern - ist bei der Erfassung von verkehrsrelevanten Nebenwirkungen von erheblicher Bedeutung.

Leistungsbereiche, die betroffen sein können, sind

- Reaktionsverhalten
- geteilte Aufmerksamkeit
- visuelle Funktionen
- Grob- und Feinmotorik
- Gedächtnis
- Kritikfähigkeit
- kognitive Funktionen.

Ferner können die Befindlichkeit und Sozioemotionalität beeinträchtigt werden.

Bei der Einnahme derartiger Pharmaka muß pharmakologischen Erkenntnissen zufolge mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, daß es unter ihrem Einfluß zu Verkehrsgefährdungen kommen kann.

Die Gesundheitsbehörden der Länder haben in Übereinstimmung mit dem Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit und dem Bundesgesundheitsamt eine Warnhinweis-Empfehlung für Arzneimittel veröffentlicht, die die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen können. Die Warnhinweise, unterschieden in einen Standardhinweis und mehrere spezielle Hinweise, sollen danach in die Packungsbeilage der betroffenen Arzneimittel aufgenommen werden. Berücksichtigung finden dabei insbesondere solche Stoffe, bei denen nach dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand in der Regel mit einer entsprechenden Wirkung gerechnet werden muß.

Gerade auch in jüngster Zeit sind zahlreiche Untersuchungen vorgenommen worden zu der Frage, durch welche individuell wirksamen Faktoren das Wirkungsspektrum und die Wirkungsintensität eines Arzneimittels beeinflußt werden können.

Ärztliche Erfahrungen im Umgang mit Arzneimitteln haben zu der Erkenntnis geführt, daß die Wirkung von Arzneimitteln im Zusammenhang mit konstitutionellen, dispositionellen und situativen Bedingungen beurteilt werden muß.

Als Einflußfaktoren, die die Reaktion auf Psychopharmaka beeinflussen können, wurden herausgestellt:

- Aufnahme, Verteilung, Ausscheidung und Verstoffwechselung der Pharmaka;

- Konstitutionelle und anatomische Merkmale: Alter, Geschlecht, Gewicht, Körperbautyp;

- Psychische Merkmale: Persönlichkeitsstruktur und Dynamik, Motivation, Intelligenzgrad;

- Umweltfaktoren: Sozialpsychologische Gegebenheiten, sozioökonomischer und kultureller Hintergrund.

Als weiterer Einflußfaktor ist die Problematik einer akuten oder chronischen Applikation (= einmalige bzw. kurzzeitige oder ständige Einnahme) zu beachten. Aus der Arzneimitteltherapie ist bekannt, daß zu Beginn einer medikamentösen Therapie eine initiale Dosis des betreffenden Arzneimittels appliziert wird und bei Eintritt des gewünschten Effektes auf eine Erhaltungsdosis übergegangen wird. Es ist häufig zu beobachten, daß während der Initialphase der Therapie infolge der Umstellung des Organismus bestimmte Wirkungen oder auch Nebenwirkungen stärker zum Vorschein kommen können, als das in der eigentlichen therapeutischen Behandlungsphase der Fall ist.

Besondere Bedeutung kommt dem Arzneimittelmißbrauch und der Arzneimittelabhängigkeit sowie der Polytoxikomanie zu.

Jeder Patient ist verpflichtet, sich gewissenhaft selbst zu prüfen, ob er aufgrund seiner Erkrankung, seiner augenblicklichen Befindlichkeit und im Hinblick auf die zu erwartenden Umstände seiner Fahrt den Belastungen des Straßenverkehrs ausreichend gewachsen ist.

Bei Zweifeln ist der Hausarzt zu konsultieren.

Die folgende Ausarbeitung basiert auf der Veröffentlichung von A. Windorfer und C. Jurkat:

Arzneimittel im Straßenverkehr (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1991). Für jede Gruppe von Arzneimitteln werden folgende drei Angaben gemacht:

Allgemeine Bemerkungen

Arzneistoffgruppen

Empfehlungen

- für den Arzt und Apotheker

- für den Patienten

Die wesentlichen Arzneimittel werden nach Indikations- oder Stoffgruppen eingeteilt. Die wichtigen chemischen Kurzbezeichnungen werden genannt, auf die Nennung der Präparatenamen einzelner Fertigarzneimittel wird verzichtet.

Im folgenden wird unter Fahrtauglichkeit (synonym: Fahreignung) eine situationsabhängige, zeitlich stabile Eigenschaft einer Person als Voraussetzung zum Führen eines Fahrzeugs im Sinne eines Persönlichkeitsmerkmals verstanden. Im Gegensatz hierzu ist unter Fahrtüchtigkeit die situative, zeitgebundene Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft des Fahrers zu verstehen.

ISSN (Print)    2626-9287
ISSN (Online)  2626-9295