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Wissenschaft

 

Fahrplan für die Zukunft oder zu viel Big Brother?

Künstliche Intelligenz und die Datensicherheit im Fahrzeug

Moderne Mobilität ist eng verbunden mit komplexer Technik und künstlicher Intelligenz. Hochautomatisierte Fahrfunktionen sowie die Übernahme der Fahraufgabe durch Algorithmen ist keine Science-Fiction mehr. Für das Fahren im komplexen urbanen Umfeld benötigt man jedoch Wissen über die Wirkmechanismen von Verkehrs­abläufen in unterschiedlichen Szenarien.

Künstliche Intelligenz nimmt schon heute einen enormen Stellenwert in der Fahrzeug- und Verkehrstechnik ein. Big Data und maschinelles Lernen bilden die Grundlagen für intelligente Verkehrssysteme. Für den nachhaltigen Erfolg künstlicher Intelligenz ist aber neben der technischen Entwicklung und Datensicherheit auch die Akzeptanz in der Gesellschaft wichtig.

Mobilität 4.0
In Sachen künstliche Intelligenz steht bei den Menschen in Deutschland vor allem die Sorge um die Datensicherheit im Vordergrund. Die Zurückhaltung gegenüber künstlicher Intelligenz spiegelt sich auch in der Skepsis vieler Autofahrender beim automatisierten Fahren wider.

Sind diese Befürchtungen begründet oder hält die moderne Technik immer ihre oft weitreichenden Versprechen? Mit der Entwicklung zur Mobilität 4.0 sind auch Herausforderungen für die Verkehrssicherheit verknüpft. Das automatisierte und vernetzte Fahren spielt eine immer größere Rolle, das Automobil wird zum „Third Place”, einem weiteren Lebensmittelpunkt neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz. Echtzeit-Daten-Kommunikation zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur kann helfen, Unfälle und Staus zu vermeiden. Aber wie sehen die konkreten Herausforderungen der digitalen Mobilität aus? Welche Sicherheitspotenziale bietet das automatisierte und vernetzte Fahren? Wie steht es um die Sicherheit der Daten? Wie können die Merkmale der Mobilität 4.0 dazu beitragen, der Vision Zero, einer Verkehrswelt ohne Getötete und Schwerverletzte, näherzukommen?

Herausforderungen
Diese Kernfragen zeigen auf, vor welchen Herausforderungen wir mit Blick auf die Mobilität 4.0 und auf dem Weg hin zur Vision Zero stehen. Moderne Informations- und Kommunikationssysteme haben längst Einzug in unsere Fahrzeuge gehalten. Hinzu kommt das vernetzte Fahren als neues Feld. Hierzu ist ein durchgängiges Sicherheitskonzept vom Datenprovider bis zum Endgerät erforderlich. Das Verhalten der Verkehrsteilnehmenden beeinflusst sich gegenseitig, Fußgänger und Fußgängerinnen interagieren mit Fahrzeugen, wenn sie zum Beispiel die Straße überqueren.

Verkehrsszenarien sind zu komplex und dynamisch, um sie mit den traditionellen, regelbasierten Algorithmen in Assistenzsystemen beschreiben zu können. Künstliche Intelligenz entwickelt sich hierbei zur Schlüsseltechnologie, da sie es Maschinen erlaubt, anhand beispielhafter Situationen die notwendigen Parameter selbst zu ermitteln.

Die Anforderungen an die Fahrerinnen und Fahrer könnten künftig sogar ansteigen, es könnte zu neuen Unfallarten, zum Beispiel infolge mangelnder Abstimmung im Mischverkehr automatisierter und nicht automatisierter Fahrzeuge oder durch Systemgrenzen der Fahrsysteme, kommen. Außerdem sind neue Delinquenzmuster zu erwarten, wie zum Beispiel Übersteuerung, Systemmissbrauch, Hacker- und Virenangriffe.

Datensicherheit
Wenn es zu einem Unfall kommt, können alle Daten, die etwas über den Unfallhergang preisgeben, vor Gericht verwendet werden. Das gilt auch für Handydaten – wenn es zum Beispiel darum geht, zu klären, ob vor dem Unfall telefoniert oder eine Textnachricht verschickt wurde. Aber es geht nicht nur darum zu verhindern, dass Daten des Fahrenden nach außen gelangen. Umgekehrt soll sich auch niemand von außen in das System des Autos einloggen können. Hackerangriffe auf selbstfahrende Autos sind ein Albtraum für Sicherheitsfachleute: Was wäre, wenn jemand die Steuerung des Fahrzeugs hackt, das Auto fernsteuert, um es zum Beispiel als Waffe zu missbrauchen und in eine Menschenmenge zu lenken?

Bislang gibt es kaum gesetzliche Vorgaben, welche Informationen einzelne Fahrzeughersteller erheben und wer Zugriff darauf hat. Moderne elektronische Fahrerassistenzsysteme können eine Fülle von Informationen darüber liefern, wie ein Mensch sein Fahrzeug bewegt.

Deshalb kommt es darauf an, dass sich die Technik an menschlichen Bedürfnissen, Prozessen und auch Defiziten orientieren muss. Es ist kein Fortschritt, wenn aus vermeintlichen Lösungen neue Probleme erwachsen.

Faktor Mensch
Die Forschung schreitet jedenfalls mit großen Schritten voran und wird in der Zukunft sicherlich weitere Verbesserungen mit sich bringen. Das wird sich dann hoffentlich auch in den Unfallzahlen widerspiegeln. Denn ein Algorithmus ermüdet nicht, nimmt keine Drogen, lässt sich nicht ablenken und hält sich immer an die Verkehrsregeln. Kameras und Sensoren registrieren zu jeder Zeit alles, was um das Auto herum passiert.

Und es bleibt die große Hoffnung, dass neben aller auch in Zukunft noch zur Verfügung stehender Technik immer mehr Menschen das Richtige tun. Dazu zählt, und das bleibt sehr zu wünschen, dass sich die Verkehrs­teilnehmenden auch unter sich ändernden Bedingungen im Straßenverkehr rücksichtsvoll und partnerschaftlich verhalten.

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