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Europa

 

Internationale Vernetzung

Die Rolle des DVR in Europa und der Welt

Von Jacqueline Lacroix

Mit der Unterzeichnung der Maastrichter Verträge 1993 wurde die Verkehrssicherheit Bestandteil der europäischen Verkehrspolitik. Fast zeitgleich gründete der DVR gemeinsam mit dem „Parliamentary Council for Transport Safety“ aus Großbritannien sowie dem „Raad voor Verkehrs Hrs Veiligheid“ aus den Niederlanden den Europäischen Verkehrssicherheitsrat ETSC. Damit war der DVR von Beginn an in der Lage, die EU-Verkehrssicherheitspolitik mit zu gestalten und zu beeinflussen.

Thematische Schwerpunkte waren und sind in diesem fast 30-jährigen Prozess die betriebliche Verkehrssicherheitsarbeit, die Entwicklung und Umsetzung von Sicherheitsprogrammen, die Lobbyarbeit im Rahmen der Gesetzgebungsprozesse der EU sowie der Erfahrungsaustausch hinsichtlich der Durchführung von Kampagnen. Dabei konnte der DVR auf die aktive Mitwirkung zahlreicher DVR-Mitglieder zählen. Seine Verpflichtung zur europäischen Verkehrssicherheitsarbeit untermauert der DVR, in dem er zur Gruppe der Erstunterzeichner der EU-Charta der Verkehrssicherheit gehört.

„Gordan“, das Gürteltier
Im Mittelpunkt der EU-Kampagne, die zu Beginn der 2000er Jahre von der EU-Kommission unterstützt wurde, stand „Gordan“, das Gürteltier, welches bei Kindern die Freude am Gurtanlegen wecken sollte. Für die Kampagne wurden ein kindgerechtes Faltblatt und eine Elternbroschüre entwickelt, zahlreiche Aktionen in Kindergärten und Grundschulen veranstaltet sowie Tausende von Gordan-Maskottchen an Kinder verteilt.

ERIC
Mit Partnerorganisationen aus Österreich, Polen und Spanien konnten im Rahmen des EU-geförderten Projektes ERIC (Experiencing computer-based learning programmes in the European Community) die vom DVR entwickelten Lernprogramme zu Fahrphysik und Müdigkeit in diese Länder übertragen werden. Das dreijährige Projekt fand 2010 seinen Abschluss und eröffnete insbesondere den spanischen und polnischen Partnern neue Möglichkeiten und Erkenntnisse für eine effektive Vermittlung verkehrssicherheitsrelevanter Inhalte.

ECOWILL
Defensives und spritsparendes Fahren wird im Rahmen von fahrpraktischen Programmen des DVR seit vielen Jahren verbreitet. Diese Erfahrungen konnten im Rahmen des ECOWILL-Projektes in 13 Ländern der EU weitergegeben werden. Die Anwendung von Qualitätsstandards für das ECO-Driving sowie die Etablierung der „Goldenen Regeln“ für das ECO-Driving wurden für alle teilnehmenden Länder erarbeitet, wobei 5.000 Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen in Train-the-Trainer-Seminaren ausgebildet wurden. In 10.500 Kursen konnten 1,5 Millionen Fahrende erreicht werden.

Europäisches Qualitätssiegel
Das Qualitätssiegel für Motorradtrainings des DVR ist seit 2015 ein europäisches freiwilliges Zertifizierungssystem. Gemeinsam mit ACEM, dem Europäischen Motorradherstellerverband, hat der DVR das „European Quality Label“ entwickelt. Die Vergabe des Gütesiegels an Anbieter von Sicherheitstrainings aus anderen EU-Ländern soll dabei unterstützen, die besten Angebote auszuwählen. Bislang wurden in Schweden, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Österreich und Deutschland insgesamt 28 Motorrad-Fahr­sicherheitsprogramme zertifiziert.

Koordiniert vom ETSC beteiligte sich der DVR an weiteren von der EU geförderten Projekten:

SHLOW
Das Projekt „Show me how slow: Mobilising evidence from transport research into speed“ (SHLOW) konzentrierte sich auf die Geschwindigkeitsregelung als einen wichtigen Ansatz, Verkehrsunfälle zu verhindern. 50 Studierende aus EU-Staaten wurden von Fachleuten aus dem Netzwerk des ETSC geschult und dabei unterstützt, geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen in ihrem Heimatland umzusetzen.

Die Projekte „BIKEPAL“ und „YEARS“ setzten das Konzept eines Ideenwettbewerbs fort und legten den Schwerpunkt auf die Verbesserung des Fahrradverkehrs sowie kleinere Infrastrukturmaßnahmen.

PRAISE
Das PRAISE-Programm des ETSC „Preventing Road Accidents and Injuries for the Safety of Employees“ legt den Schwerpunkt auf den Austausch von Erkenntnissen und Maßnahmen der betrieblichen Verkehrssicherheitsarbeit. Der DVR unterstützte das Projekt von Beginn an und arbeitet aktiv an den Veröffentlichungen, der Durchführung von Veranstaltungen sowie der jährlich stattfindenden Konferenz mit der Vergabe des „PRAISE Awards“ mit.

PIN
Als Mitglied des Steuerungskomitees und im Expertenpanel bringt der DVR Daten, Fakten und Erfahrungen aus Deutschland in das ETSC-Programm „Performance Index“ ein. Unterschiedliche Problemfelder der Verkehrssicherheit werden hierbei ländervergleichend analysiert, um dann zielgerichtete Maßnahmen entwickeln und umsetzen zu können. Das PIN-Programm hat wesentlich dazu beigetragen, dass die EU-Kommission im Rahmen der Entwicklung des künftigen Verkehrssicherheitsprogramms 2020-2030 Leistungsindikatoren einführen wird.

Verkehrssicherheitsarbeit weltweit
Die Arbeitsweise des DVR weckt auch über die europäischen Grenzen hinweg das Interesse: Sowohl in Lateinamerika als auch in Asien konnten im Rahmen unterschiedlicher Projekte und Kooperationen Kenntnisse und Erfahrungen vermittelt werden. Somit leistet der DVR auch weltweit seinen Beitrag zur Reduzierung der Anzahl der Getöteten und Verletzten im Straßenverkehr.

Die Autorin ist Leiterin der Referate Europa und Verkehrsmedizin beim DVR.
jlacroix@dvr.de

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