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Editorial

 

Leben ist nicht verhandelbar
 

Der DVR feiert 2019 sein 50-jähriges Bestehen. Ein halbes Jahrhundert als unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit unterwegs zu sein – das kann alle Beteiligten, Präsidium, Vorstand, Geschäftsführung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Mitglieder mit Stolz erfüllen. Eine lange Strecke, in der zahlreiche Programme, Projekte, Aktionen und Kampagnen auf den Weg gebracht wurden.

Und ein erfolgreicher Weg. Betrachtet man die vergangenen fünf Jahrzehnte, wird die Erfolgsgeschichte der Verkehrssicherheitsarbeit an den schlichten Kennzahlen der Getöteten und Verletzten im Straßenverkehr sehr deutlich. Der DVR wurde 1969 gegründet, weil es ein massives Problem gab: Zu dieser Zeit wurde in Deutschland jährlich die Bevölkerung einer ganzen Kleinstadt im Straßenverkehr ausgelöscht. Im Jahr 1970 fand die Zahl der Getöteten mit 21.300 ihren katastrophalen Höhepunkt. Der politische Handlungsdruck lag auf der Hand. Der damalige Bundesverkehrsminister Georg Leber formulierte in seiner Gründungsansprache: „Wir haben keine Veranlassung, in Fatalismus zu verfallen und das Unheil im modernen Gewand der Motorisierung als Preis des Fortschritts zu akzeptieren.“ Dieser Anspruch hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.

Auch der damals gewählte Ansatz, alle gesellschaftlichen Kräfte, die einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten konnten, zu bündeln, hat sich als richtig herausgestellt. Jede Position des DVR entstammt einem fachlich geprägten Austauschprozess seiner Mitglieder.

Bis zum bisherigen Tiefststand von 3.180 Getöteten im Jahr 2017 war es ein weiter Weg. Welchen Anteil der DVR an der Erfolgsgeschichte dieses Rückgangs um 85 Prozent hatte, lässt sich nicht präzise beziffern. Klar ist aber, dass er als Wegweiser und Wegbereiter einen unverzichtbaren Anteil hatte.

Mit Kampagnen wie „Hallo Partner – danke schön“ hat der DVR dem Thema Verkehrssicherheit schon früh nach seiner Gründung eine positive Aufmerksamkeit in der Bevölkerung verschafft. Auch die „Schulweg-Hitparade“ des Sängers Rolf Zuckowski hat Generationen von Kindern Ohrwürmer über gut sichtbare Kleidung von Fußgängerinnen und Fußgängern oder das Verhalten an Zebrastreifen eingeimpft.

Doch auch die schonungslose Kommunikation der Risiken, etwa des Rasens und Drängelns auf Autobahnen, gehört zum Spektrum der Öffentlichkeitsarbeit des DVR. Todesanzeigen, weinende Menschen oder blutverschmierte Handys hat der DVR gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Runter vom Gas“ gezeigt, die zu einem wesentlichen Teil von den Unfallkassen und Berufsgenossenschaften getragen wird.

Aber wir wollen das 50-jährige Jubiläum nicht nur zum Anlass nehmen, zurückzublicken, sondern möchten auch nach vorne schauen. Denn nach wie vor kommen täglich Menschen auf unseren Straßen ums Leben oder werden schwer verletzt. Es muss also in den nächsten Jahren darum gehen, alle Potenziale auszuschöpfen, die im Sinne der Sicherheitsstrategie Vision Zero dazu beitragen, die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen zu erhöhen. Die Strategie Vision Zero bedeutet, alles zu tun, um die Verkehrssicherheit als Kernthema nachhaltiger gesellschaftlicher Modernisierung mehr und mehr zu verankern.

Die zentrale Aussage der Vision Zero lautet: Leben ist nicht verhandelbar. Dieser Aussage werden wir uns immer verpflichtet fühlen.

Man kann es nicht oft genug betonen: Das Wissen um die Vermeidung schwerer Unfälle ist vorhanden, aber es wird nicht oder zu zögerlich umgesetzt. Es gehört nämlich noch mehr dazu als zum Beispiel technisches oder juristisches Know-how. Wir müssen diese Maßnahmen wollen!

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre,
herzlichst, Ihr

Prof. Dr. Walter Eichendorf
Präsident Deutscher Verkehrssicherheitsrat

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