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Sicherheit durch automatisierte Fahrfunktionen

2. DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge

Auf dem 2. DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin haben Fachleute aus Politik, Industrie und Forschung die Potenziale innovativer Technologien rund um das Nutzfahrzeug diskutiert. Im Fokus der Vorträge und Podiumsgespräche standen unter anderem Themen wie Fahrzeugsicherheit, automatisiertes Fahren und intelligente Vernetzung.

Bis zum Jahr 2040 wird nach Angaben des jüngsten World Transport Reports der Prognos AG die Güterverkehrsleistung allein in Deutschland um 25 Prozent von rund 640 auf dann fast 860 Milliarden Tonnenkilometer steigen. Damit verbunden sind zahlreiche Herausforderungen für die Nutzfahrzeughersteller und die Zulieferindustrie sowie die gesamte Transport- und Logistikbranche ebenso wie für Politik und Wissenschaft – auch mit Blick auf die Verkehrssicherheit.

Zukunft der Logistik
Seitens der Politik verwies der Parlamentarische Staatsekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) Norbert Barthle auf das große Potenzial beim automatisierten und vernetzten Fahren. „Natürlich sind in erster Linie die Unternehmen gefragt, die Chancen der neuen Technologie zu ergreifen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, sagte Barthle. Aber die richtigen Rahmenbedingungen seien mindestens ebenso wichtig, weswegen das BMVI mit dem weltweit innovativsten Straßenverkehrsrecht für einen verlässlichen Rechtsrahmen für hoch- und vollautomatisierte Fahrfunktionen gesorgt habe.

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, lobte die Nutzfahrzeughersteller und Zulieferer für ihren Anspruch, den Straßengüterverkehr mit innovativen Lösungen effizienter und noch sauberer zu machen. „Durch die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und mit der Umgebung wird der Verkehr flüssiger und die Arbeit von Transportunternehmen erleichtert“, erklärte Wissmann. Autonome Fahrfunktionen würden zukünftig auf der „letzten Meile“ eine wichtige Rolle spielen und alltägliche Aufgaben in der urbanen und industriellen Anwendung übernehmen. „Damit diese Innovationen greifen können, bedarf es aber auch einer engagierten Politik, die dem Einsatz von Zukunftstechnologien die passende Infrastruktur und einen rechtssicheren Rahmen zur Verfügung stellt“, forderte der VDA-Präsident.

Sicherheitspotenziale durch automatisiertes Fahren
An beiden Kongresstagen standen die aktive Sicherheit und der Weg hin zum autonomen Fahren im Vordergrund. „Die Automatisierung des Fahrens sehen wir als Expertenorganisation zuallererst aus dem Blickwinkel der Verkehrssicherheit“, betonte Wolfgang Linsenmaier, Mitglied der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH. Schließlich gehen nach wie vor fast 90 Prozent aller Straßenverkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurück. „Hier bieten Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen ein großes Sicherheitspotenzial, indem sie Fehler des Menschen verhindern oder deren Folgen vermindern.“ In diesem Zusammenhang muss seiner Ansicht nach aber gewährleistet sein, dass die Systeme im Lauf der Entwicklung und im Rahmen der Typgenehmigung umfassend getestet und geprüft werden. „Zum anderen müssen die Systeme über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg zuverlässig funktionieren, also auch im Rahmen der Periodischen Fahrzeugüberwachung geprüft werden können.“

„Dank zahlreicher Helfer fahren moderne Lkw schon heute auf einem hohen Sicherheitsniveau“, erläuterte Alexander Banerjee, Projektleiter Fahrerassistenzsysteme Nutzfahrzeuge bei ZF Friedrichshafen. Die Vision eines unfallfreien Fahrens vor Augen, hat der Technologiekonzern mit dem ZF Innovation Truck aktuelle Assistenzsysteme praxisorientiert weitergedacht. Die Ergebnisse sind der Highway Driving Assist (HDA), der versehentliche Spurwechsel verhindert, sowie der in Kooperation mit WABCO entwickelte Evasive Maneuver Assist (EMA) – eine Technologie, die einen Lkw ausweichen und bremsen lässt. Darüber hinaus rangiert das Konzeptfahrzeug mit der autonomen Manövrierfunktion Safe-Range selbstständig an die Laderampe.

„Seit vielen Jahren arbeiten wir an der Vision vom unfallfreien Fahren“, unterstrich Dr. Andreas Schwarzhaupt, Senior Manager Driver Assistance Systems and Automated Driving bei der Daimler AG, die Sicherheit als ein Kernthema des Unternehmens. Mit dem Notbremsassistent Active Brake Assist 4 mit Fußgängererkennung und dem Abbiegeassistent habe Mercedes-Benz Lkw bereits zur IAA 2016 zwei neue Assistenzsysteme auf die Straße gebracht, mit denen die schwächsten Verkehrsteilnehmer, also Radfahrende sowie Fußgängerinnen und Fußgänger, besser geschützt werden können. Der Active Brake Assist 4 reagiere auch auf Personen, die zu Fuß unterwegs sind, und könne eine Teilbremsung durchführen. Der Abbiegeassistent erkenne beim Richtungswechsel an Kreuzungen Fußgänger und Fußgängerinnen sowie Radfahrende und warne optisch und akustisch vor einer Kollision.

Abbiegeassistenten erhöhen die Verkehrssicherheit
Immer wieder werden schwere Unfälle beim Rechtsabbiegen von Lkw, Omnibussen oder Transportern verursacht, bei denen Fußgänger und Fußgängerinnen oder Radfahrende, oft Kinder und ältere Menschen, die Opfer sind. Bei diesen Unfällen kommen pro Jahr rund 30 Menschen ums Leben, 160 werden schwer verletzt. Für die Lkw- Fahrer und Fahrerinnen ist das Rechtsabbiegen ohne ausreichende Sicht auf den Raum neben ihrem Fahrzeug immer ein erheblicher Stressfaktor.

„Ein elektronischer Abbiegeassistent ist ein geeignetes Mittel, solche Unfälle zu vermeiden“, sagt DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf. Mit einem solchen System sollen Radfahrende, die sich rechts vom Lkw und unmittelbar vor dem Lkw befinden, erkannt werden. Der Abbiegeassistent warnt den Fahrer oder die Fahrerin und leitet – falls nötig – selbstständig eine Bremsung des Lkw ein. Vielfach ist Radfahrenden die Gefährlichkeit der Situation nicht bewusst, weil ihnen die Sichteinschränkungen aus dem Fahrerhaus nicht bekannt sind.

Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) könnte der unsichtbare Helfer über 60 Prozent aller Unfälle zwischen Lkw und Radfahrenden verhindern oder zumindest dessen Folgen abschwächen.

Bereits vor drei Jahren hat der DVR gefordert, den Einbau von Abbiegeassistenzsystemen gesetzlich vorzuschreiben.

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Das vernetzte Auto – Chancen und Risiken

25. Hauptversammlung des ARCD

Unter dem Motto „Das vernetzte Auto – Chancen und Risiken“ stand die 25. Hauptversammlung des ARCD Auto- und Reiseclub Deutschland e. V. am Sitz der Clubzentrale in Bad Windsheim.

Gemeinsam mit dem Festredner Volker Lüdemann, Professor für Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht sowie Wissenschaftlicher Leiter am Niedersächsischen Datenschutzzentrum der Hochschule Osnabrück, stellte der scheidende Präsident Wolfgang Dollinger die Chancen und Risiken des vernetzten Autos vor. Der ARCD habe dieses Motto zu einem Schwerpunkt seiner aktuellen Aufklärungs- und Informationskampagne gemacht, weil nach seinen Beobachtungen im Zuge der Einführung des (teil-)autonomen Fahrens das Datenschutzbedürfnis der Autofahrenden sehr leicht unter die Räder kommen könne. Dies bestätigte Professor Lüdemann in seinem Festvortrag. Auch er sah die rapide fortschreitende Entwicklung des ungehemmten, unkontrollierten Datenaustausches in der vernetzten Mobilität äußerst kritisch.

Dollinger forderte einen transparenten Wettbewerb in diesem Bereich. Vor allem aber müsse beim Datenverkehr zwischen Fahrzeug und Herstellern die Privatsphäre aller Autoinsassen gewährleistet sein. Nachteile dürften dem Einzelnen, der die Herausgabe persönlicher Daten verweigere, keinesfalls entstehen. Nur dann ließen sich die Vorteile vernetzter Mobilität auch sinnvoll nutzen. Hier sei eindeutig der Gesetzgeber gefordert, der die Regulierung von Datenschutzfragen im Straßenverkehr endlich ernst nehmen müsse. Der ARCD werde sich dafür einsetzen, dass dem Verbraucher durch die bislang weitgehend unlimitierte Datensammelwut der Autohersteller keine gravierenden Nachteile entstünden.

Aber nicht nur in Sachen Schutz der Privatsphäre, sondern bei vielen weiteren Verbraucherschutz- und Verkehrssicherheitsthemen sei der ARCD als kompetenter Meinungsbildner und laut vernehmbare Stimme seiner Mitglieder gefordert – speziell bei den äußerst sensiblen Bereichen Ablenkung am Steuer, Autonomes Fahren und Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Diese „Dauerbrenner“ würden deshalb auch in der kommenden Wahlperiode wichtige Eckpunkte der Clubarbeit bilden.

Gerhard Aldebert neuer ARCD-Präsident
Der ARCD hat mit Gerhard Aldebert einen neuen Präsidenten. Der Rechtsanwalt wurde mit überwältigender Mehrheit der 98 Delegierten aus den acht ARCD-Landesverbänden gewählt.

Aldebert tritt die Nachfolge von Wolfgang Dollinger an, der sich nach 20-jähriger Präsidentschaft nicht mehr zur Wahl stellte. Die Versammlung verlieh Dollinger als Anerkennung für sein langjähriges Engagement für den Club einstimmig die Ehrenmitgliedschaft und die Ehren-Präsidentschaft.

Im ARCD-Präsidium bestätigt, und zwar jeweils nahezu einstimmig, wurden Rechtsanwalt Michael Lübeck als neuer Vize-Präsident und Diplom-Finanzwirt Thomas Brockmann als Schatzmeister. Neu in die organisatorische Spitze eingezogen ist Prof. Dipl.-Ing. Jürgen Wrede als weiteres Präsidiumsmitglied.

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„Smombie-Alarm“: Ein Viertel aller Jugendlichen starrt im Straßenverkehr auf das Smartphone

ACE-Aktion zur Verkehrssicherheit

Mehr als jedes vierte Mädchen (27,3 Prozent) und fast jeder vierte Junge (23,5 Prozent) starrt beim Überqueren der Straße auf das Smartphone. Bei den Erwachsenen sind es 14 Prozent der Frauen und 16,4 Prozent der Männer. Das ist das Ergebnis der bundesweiten ACE-Verkehrssicherheitsaktion „Finger weg – Smartphone im Verkehr“. Ein halbes Jahr lang hat der ACE das Verhalten von rund 140.000 Fußgängerinnen und Fußgängern in ganz Deutschland an Zebrastreifen und Ampeln beobachtet und dabei die sogenannten „Smombies“ genauer unter die Lupe genommen.

„Die Ergebnisse unserer diesjährigen Verkehrssicherheitsaktion sind erschreckend und zeigen auch, dass die Gefahren durch Ablenkung völlig unterschätzt werden. Was für Autofahrerinnen und Autofahrer gilt, muss auch für Fußgänger zur unumstößlichen Norm werden. Augen auf und Finger weg vom Smartphone im Straßenverkehr“, sagt ACE-Vorsitzender Stefan Heimlich.

Bislang waren überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer die größten Unfallgefahren im Straßenverkehr. Doch nun kommt – wie der ACE festgestellt hat – ein dritter Risikofaktor hinzu: die Ablenkung durch das Smartphone oder Tablet. Autos und sogar Straßenbahnen werden übersehen, das Rot an der Ampel missachtet.

Der ACE appelliert deshalb vor allem an die Vorbildfunktion der Erwachsenen. Kinder dürften nicht von klein auf an das Handy in der Hand gewöhnt werden. Vielmehr gelte es, Kinder und Enkelkinder auf die tödlichen Gefahren, die durch Unaufmerksamkeit auf der Straße entstehen, aufmerksam zu machen.

Einen weiteren Appell richtet der ACE an Polizei und Verkehrspolitik: Es brauche endlich verlässliche Zahlen, wie gefährlich Smartphones im Straßenverkehr sind. Die Smartphone-Nutzung solle ab sofort als Unfallursache in die Unfallprotokolle aufgenommen werden. Denn nur so könnten darauf aufbauend Schlussfolgerungen gezogen werden. Dabei dürfe nicht ausgeschlossen werden, dass Sanktionen in Form von Strafen folgen könnten, wenn Appelle und Aufklärung nicht mehr ausreichten.

In den USA sei dies bereits der Fall. Nachdem bekannt wurde, dass 6.000 Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, allein aufgrund eingeschränkter Wahrnehmung überfahren wurden, reagierte der US-Bundesstaat Hawaii. Er erließ das Gesetz, wonach Passanten 35 Dollar Strafe zahlen müssen, wenn sie beim Überqueren einer Straße auf ihr Smartphone starren.

Weitere Information zum Thema „Finger weg – Smartphone im Verkehr“ unter www.ace.de

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