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Fredrich Claezon mit dem Europäischen Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge ausgezeichnet

Gemeinsame Ehrung von DEKRA, EVU und DVR

Fredrich Claezon ist mit dem Europäischen Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge ausgezeichnet worden. Der 39-jährige SCANIA-Ingenieur wurde im Rahmen des DEKRA Zukunftskongresses Nutzfahrzeuge in Berlin für seine wertvollen Beiträge zur Steigerung der Sicherheit von Nutzfahrzeugen geehrt.

„Fredrich Claezon erhält die Ehrung für seine exzellenten Ingenieurleistungen auf dem Gebiet der Elektronik, die zu einer intensiven Steigerung der aktiven und passiven Fahrzeugsicherheit von Nutzfahrzeugen im Straßenverkehr beigetragen haben“, sagte Prof. Dr. Egon-Christian von Glasner, Ehrenmitglied des Präsidialrats der Europäischen Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse (EVU), in seiner Laudatio.

Claezon studierte Computerwissenschaften an der Universität von Linköping in Schweden und beendete sein Studium 2006 mit dem Titel eines Master of Science. Im gleichen Jahr startete er seine Karriere als Integrationsingenieur bei General Motors/Saab Automobile in Trollhättan. Dort war er für den Fahrsimulator zuständig. Diese Position umfasste auch die Vorentwicklung von Funktionen bestimmter intelligenter Fahrerassistenzsysteme wie zum Beispiel Müdigkeits- und Unaufmerksamkeitsermittlung, aber auch simulatorbasierte Untersuchungen von MenschMaschineSchnittstellen.

Im Jahr 2008 wechselte Claezon zu SCANIA in Södertälje und war als Entwicklungsingenieur für Sicherheitssysteme tätig. Zusätzlich übernahm er das Vorentwicklungsprojekt „Erkennung von Fußgängern und Zweiradfahrern“.

Drei Jahre später wurde er zum Senior Engineer ernannt, mit der Verantwortung für die Entwicklung des „Rollover Airbag Control System“ für Nutzfahrzeugkabinen und für die serienmäßige Einführung eines MobilEye-basierten Kamerasystems, das für das Spurhaltungs- und Notbremssystem eingesetzt wird. Dafür definierte er die Grundlagen und entwickelte die entsprechende Software.

Der Preis wurde in diesem Jahr zum 28. Mal von DEKRA, der EVU und dem DVR für herausragende technische Innovationen oder für ein herausragendes Gesamtwerk an Personen vergeben, die sich in besonderer Weise um die Sicherheit des Nutzfahrzeuges verdient gemacht haben.

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Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Expertentipps zu Medikamenten im Straßenverkehr

Wer Medikamente einnimmt, setzt vor allem auf deren heilende Wirkung: Schmerzen und Beschwerden lassen nach, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden kehren zurück. Doch so gut wie jedes Medikament hat auch unerwünschte Wirkungen, die so stark ausfallen können, dass sie die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Müdigkeit, verlangsamte Reaktion und Einschränkungen bei der Wahrnehmung von Abstand und Geschwindigkeit machen Medikamente am Steuer zum Risiko im Straßenverkehr. Fachleute informierten am Lesertelefon des DVR, worauf Autofahrende achten sollten. Hier die wichtigsten Tipps:

Beeinflussen auch pflanzliche Beruhigungs- oder Schlafmittel die Fahrtüchtigkeit am Folgetag?
Dr. med. Renate Zunft:
Pflanzlich ist nicht gleichzusetzen mit unbedenklich. Es gibt sehr wirksame pflanzliche Medikamente. Genauso wie für andere Medikamente gilt für Medikamente aus pflanzlicher Herkunft: neben der gewünschten Wirkung sind auch Nebenwirkungen vorhanden. Bei Beruhigungs- und Schlafmitteln muss zudem beachtet werden, dass bereits die gewünschte Wirkung die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen kann. Beruhigung und Schläfrigkeit sind eine Gefährdung bei der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr.

Und was ist mit herkömmlichen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol?
Dr. med. Renate Zunft:
Rezeptfreie, leichte Schmerzmittel beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit nicht wesentlich. Man sollte jedoch prüfen, ob trotz Schmerzen, Bewegungsbeeinträchtigungen oder auch Erkältungsbeschwerden der Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit ausreichend ist, um ein Kraftfahrzeug sicher zu führen. Die Medikamente könnten zudem den Eindruck vermitteln, dass es Ihnen besser geht, obwohl Leistungen wie Reaktionsvermögen und Aufnahmefähigkeit weiterhin gemindert sind.

Ich nehme ein schwach wirksames Opioid als Schmerzmittel ein. Kann ich trotzdem Auto fahren?
Dr. med. Birger Neubauer:
Opioide zählen zu den stärksten und wirksamsten Schmerzmitteln in der Medizin. Neben der schmerzstillenden Wirkung kann es zu Nebenwirkungen kommen, die zum Beispiel das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. In Studien wurden Gesunden einmalig Opioide verabreicht, um Auswirkungen auf ihre Fahreignung zu überprüfen. Das Ergebnis: Es zeigten sich fast durchgängig Leistungsbeeinträchtigungen. Sie sollten die Frage der Fahrtauglichkeit mit Ihrem Arzt besprechen und genau beobachten, ob die Opioid-Einnahme Sie zum Beispiel schläfrig oder euphorisch macht.

Woran kann ich selbst erkennen, ob meine Fahrtüchtigkeit gemindert ist?
Michael Heißing:
Aufgrund der Vielzahl der möglichen Beeinträchtigungen gibt es leider kein einfaches Testverfahren, das Ihnen die Entscheidung abnehmen könnte. Informieren Sie sich auf jeden Fall vorab über die zu erwartenden Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen Ihrer Medikamente, indem Sie die Hinweise in der Packungsbeilage lesen oder konkret Ihren Arzt ansprechen. Sie können dadurch gezielter beeinträchtigende Effekte wahrnehmen und somit besser einschätzen, ob eine ausreichende Fahrsicherheit gegeben ist. Im Zweifel sollten Sie den Wagen lieber stehen lassen.

Warum sind Kombinationspräparate gegen Schmerzen unter Umständen gefährlich?
Dr. med. Birger Neubauer:
Schmerzmittel, die eine Kombination aus einem schmerzstillenden Wirkstoff und beispielsweise Koffein enthalten, können nicht nur schmerzstillend, sondern auch anregend und aufputschend wirken. Die so entstehende Unruhe kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, vor allem aber fühlen Sie sich unter Umständen fitter als Sie tatsächlich sind. In kritischen Situationen kann das ein gefährlicher Trugschluss sein.

Ich nehme wegen einer chronischen Erkrankung über den Tag verteilt sechs Medikamente ein. Wie erfahre ich, ob es da Wechselwirkungen gibt?
Dr. med. Renate Zunft:
Wechselwirkungen zwischen Medikamenten sind häufig und für den Patienten schwer erkennbar. Da hilft auch der Blick in den Beipackzettel wenig. Besprechen Sie mit dem behandelnden Arzt Ihre Bedenken. Besondere Aufmerksamkeit ist immer dann geboten, wenn nach Verordnung eines zusätzlichen neuen Medikamentes unerwartete und starke Wirkungen oder Nebenwirkungen auftreten. Insbesondere die Verordnung mehrerer Substanzen mit Wirkung auf das psychische Befinden lassen negative Auswirkungen auf Reaktionsfähigkeit, Konzentration und Aufmerksamkeit erwarten und können damit die Fahrtüchtigkeit einschränken.

Können auch Wechselwirkungen mit bestimmten Lebensmitteln oder Getränken auftreten?
Michael Heißing:
Durchaus – und vieles hängt dabei von der Art und Weise ab, wie ein Medikament im Körper verarbeitet wird. Hier können bereits bei der Einnahme mit der falschen Flüssigkeit unerwünschte Wirkungen entstehen – auch ein Wirkungsverlust des Medikaments ist nicht auszuschließen. Besonderheiten zu Wechselwirkungen finden Sie zwar in der Packungsbeilage, doch was konkret in Ihrem Falle zu beachten ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Grundsätzlich gilt: Bei gleichzeitigem Alkoholkonsum müssen Sie besonders vorsichtig sein, da sich hier häufig die beeinträchtigenden Wirkungen von Medikament und Alkohol gegenseitig verstärken.

Gibt es eine Liste von Medikamenten, unter denen man nicht Auto fahren sollte?
Michael Heißing:
Nein – eine zusammenfassende Übersicht zu allen aktuellen Medikamenten und deren möglichen Beeinträchtigungen der Fahrsicherheit existiert nicht. Eine einfache, allgemein gehaltene Aussage hierzu wäre auch unangemessen, da zu viele Faktoren eine Rolle spielen, zum Beispiel Dosis, Dauer der Behandlung, Zubereitung des Medikaments, Grunderkrankung und vieles mehr. Es gibt jedoch bestimmte Medikamentengruppen, bei denen verstärkt beeinträchtigende Wirkungen auftreten können. Dazu gehören Schlaf- und Beruhigungsmittel, Schmerzmedikamente, antiallergische Medikamente, Mittel gegen Depressionen oder auch Mittel zur Behandlung des Blutdrucks.

Gilt es Besonderheiten zu beachten, wenn Patienten Cannabis im Rahmen einer medizinischen Therapie einnehmen?
Dr. med. Renate Zunft:
Ebenso wie bei der Einnahme von anderen Medikamenten sollte der behandelnde Arzt Patienten über Besonderheiten aufklären, die im Zusammenhang mit der Teilnahme am Straßenverkehr stehen. Vor allem zu Beginn der Therapie können die psychotrope Wirkung von Cannabis sowie weitere Nebenwirkungen stark beeinträchtigen. Sie sollten erst dann ein Kraftfahrzeug führen, wenn der behandelnde Arzt Ihnen dies ausdrücklich erlaubt hat. Bei einer Verkehrskontrolle sollten Patienten eine Kopie der Verordnung mit sich führen, um nachzuweisen, dass sie Cannabis aus medizinischen Gründen einnehmen.

Wird das Fahren unter Medikamenteneinwirkung bestraft? Geht bei einem Unfall der Versicherungsschutz verloren?
Michael Heißing:
Die Einnahme von Medikamenten alleine rechtfertigt weder das Eine noch das Andere. Allerdings gilt: Wenn Sie in einem fahruntüchtigen Zustand ein Fahrzeug führen, machen Sie sich strafbar. Das gilt unabhängig davon, ob diese Beeinträchtigungen durch Medikamente oder andere Ursachen wie beispielsweise Übermüdung oder Alkoholkonsum hervorgerufen wurden. Kommt es in einem solchen Zustand zu einer auffälligen Fahrweise oder verursachen Sie sogar einen Unfall, kann dies durchaus verkehrsrechtliche oder versicherungsrechtliche Folgen für Sie nach sich ziehen. Deshalb müssen Sie vor Antritt einer jeden Fahrt kritisch prüfen, ob Sie aktuell in der Lage sind, ein Fahrzeug sicher zu führen.

Weitere Informationen zum Thema Medikamente und Straßenverkehr unter www.dvr.de/medikamente

Fachlichen Rat am Telefon gaben:

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Maßgeschneidert, stressfrei, lehrreich

Pkw-Sicherheitstraining für ältere Menschen

Von Michael Heß

„Stellen Sie sich vor, das Auto dort in 45 Metern Entfernung kommt Ihnen mit Tempo 50 entgegen. Würden Sie jetzt noch links abbiegen?“ Lisa Falkenberg blickt fragend in die Runde. Von „na klar“ bis „niemals“ ist die Bandbreite der spontanen Antworten.

Und mit welcher Meinung ist man auf der sicheren Seite? Besser als jede Rechenformel und eindrucksvoller als jedes erklärende Referat ist das eigene Erleben. Also: ab in die Autos und einmal selbst an der besagten Stelle abbiegen. Drei, vier, bis zu fünf Sekunden braucht man schon für den Vorgang. Alle Zeiten werden gestoppt und protokolliert. Als nächstes schickt die Trainerin das entgegenkommende Auto auf die Reise. Und das Erstaunen ist groß: Von der Stelle, wo es stand, bis zum Abbiegepunkt braucht es mit Tempo 50 nur drei Sekunden. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten im realen Straßenverkehr also ein echtes Problem bekommen.

„Jetzt wechseln Sie bitte mal die Perspektive.“ Lisa Falkenberg, die Trainerin des Sicherheitstrainings (SHT), geht über zur nächsten Übung. „Kurz vor Ihnen biegt ein entgegenkommendes Fahrzeug ab und fährt über Ihre Spur. Was tun?“ Na klar, bremsen. Aber wie? Erneut sitzen die älteren Damen und Herren in ihren eigenen Autos und üben eine Notbremsung aus Tempo 50: schnell, hart und bis zum Stillstand. Einige von ihnen sind bislang noch niemals in die Situation gekommen, eine solche Bremsung durchführen zu müssen. Gut so, das spricht für einen eher verhaltenen Fahrstil. Und dennoch kann eine solche Situation im Straßenverkehr jederzeit passieren. Es ist also von Vorteil, dafür ein Handlungsmuster zu besitzen, das hoffentlich in Notsituationen ohne große Überlegung abgerufen werden kann.

Wahrnehmen, entscheiden, erleben, diskutieren – beim speziellen SHT für ältere Menschen gibt es viele interessante Lernsituationen. Es ist ein Pkw-Sicherheitstraining der besonderen Art, maßgeschneidert auf die Bedürfnisse von Menschen, für die die motorisierte Mobilität ein wichtiges Gut ist.

Welche Verkehrssituationen sind problematisch und welche Fahraufgaben sind geeignet für ältere Menschen? Zum Beispiel: abbiegen in enge Gassen oder Einfahrten, rangieren und einparken, und natürlich richtig bremsen.

„Super Bremsungen, klasse! Wir drehen direkt im Anschluss die Szene noch einmal mit der Drohne.“ Der Regisseur bittet die Schauspielerinnen, Schauspieler und Komparsen auf ihre Ausgangspositionen. Was später wie ein echtes Training aussieht, sind nämlich Dreharbeiten zu einem Werbefilm des DVR über das Sicherheitstraining für ältere Menschen. Erzählt werden in dem Video die Geschichten von sechs älteren Damen und Herren mit unterschiedlichen MobilitätsProblemen und ihre individuellen Lösungsansätze. Diese reichen vom Kauf eines geeigneten Autos über die richtige Medikation, über Übungsfahrten mit einer Fahrlehrerin bis hin zu mehr Bewegung und dem Ziel einer besseren Fitness.

Im zweiten Teil des Films erfährt man, dass Gisela, Christa, Hildegard, Franz, Erhard und Friedhelm befreundet sind und gemeinsam an einem SHT teilnehmen – so, wie es auch in der Realität eine optimale Variante ist, wenn sich ältere Menschen gemeinsam mit ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis zu diesem speziellen Sicherheitstraining anmelden.

„In dem Training für ältere Menschen gibt es keine Übungen mit höheren Geschwindigkeiten, etwa zum Kurvenfahren oder Bremsen und Ausweichen“, erläutert Lisa Falkenberg. „Wir legen großen Wert auf eine stressfreie Atmosphäre, auf Übungen, die bewältigt werden können und auf interessante, lehrreiche Diskussionen gemäß den Zielen des Programms, dass es besser ist, Gefahren zu erkennen und nicht in brenzlige Situationen zu gelangen, als sie bewältigen zu müssen.“

Und Menschen, die kompetent und sicher mit ihrem Auto fahren, die auch in Drucksituationen gut rangieren und die in Notsituationen richtig bremsen können, haben eher den Mut und das Selbstvertrauen, ihr Auto auch weiterhin zu benutzen und länger sicher mobil zu bleiben.

Das Video steht ab Frühjahr 2018 im Netz unter www.dvr.de.

Der Autor hat das Drehbuch zum Film geschrieben und ist Geschäftsführer der Verkehrssicherheit Konzept & Media GmbH (VKM).

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Black Box für alle?

DVR-Befragung zu Unfalldatenschreibern in Autos

Bei einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ipsos im Auftrag des DVR wurden etwa 2.000 Autofahrerinnen und Autofahrer gefragt, ob sie für den verpflichtenden Einbau eines Unfalldatenschreibers (UDS) im Auto sind.

Ein Drittel der Autofahrerinnen und Autofahrer (34 Prozent) sind der Meinung, dass in Autos UDS verpflichtend eingebaut werden sollten. Weitere 14 Prozent befürworten einen obligatorischen Einbau bei beruflich genutzten Fahrzeugen. Weniger als die Hälfte (42 Prozent) der Befragten sind gegen den verpflichtenden Einbau solcher Geräte, jeder Zehnte hat dazu keine Meinung. Unfalldatenschreiber erfassen permanent fahrdynamische und fahrtechnische Daten, ähnlich wie die Black Box in Flugzeugen. Die Daten werden automatisch nach wenigen Sekunden gelöscht. Kurz vor, während und unmittelbar nach einem Unfall bleiben sie aber erhalten. Die Befürworter des Einbaus sehen als Hauptvorteile, dass der UDS zur besseren Analyse von Unfällen beiträgt (85 Prozent), die Klärung der Schuldfrage erleichtert (81 Prozent), Erkenntnisse für die Unfallforschung liefert (66 Prozent) und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer positiv beeinflussen kann (61 Prozent). Die Gegner befürchten in erster Linie eine Verletzung des Datenschutzes (69 Prozent) sowie technische Manipulationsmöglichkeiten (39 Prozent).

Der DVR empfiehlt den freiwilligen Einbau von UDS im Interesse einer verbesserten Unfallforschung und Unfallaufklärung und fordert einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch zur langfristigen Wirkung dieser Geräte. Allerdings müssten die Belange des Datenschutzes sowie die Manipulationssicherheit gewährleistet sein.

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Fahrtüchtig mit medizinischem Cannabis?

Verantwortungsvoller Umgang absolut notwendig

Seit März 2017 können sich Patientinnen und Patienten Cannabisblüten und daraus hergestellte Extrakte auf Betäubungsmittelrezept verschreiben lassen. Grundsätzlich dürfen diese Personen am Straßenverkehr teilnehmen, soweit sie nach Aufnahme der cannabisbasierten Medikamente noch in der Lage sind, ein Fahrzeug im Straßenverkehr sicher zu führen. Treten allerdings während der Fahrt Ausfallerscheinungen auf, die auf die Einwirkung dieser Medikamente zurückzuführen sind, drohen strafrechtliche Konsequenzen.

„Besonders in der Einstellungs- und Eingewöhnungsphase kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt werden“, erläutert Jacqueline Lacroix vom DVR. Auch eine zu hohe Dosierung oder die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, einschließlich selbst geringer Mengen an Alkohol, könnten zu Problemen führen. „Dabei ist zu beachten, dass verschiedene Drogenmaterialien angeboten werden, die sich in ihren Inhaltsstoffen zum Teil erheblich unterscheiden. Dabei geht es vor allem um den Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC), das zu rund 20 Prozent in medizinischen Cannabisblüten enthalten ist, oder Cannabidiol“, ergänzt die Expertin.

Die Wirkstoffe der Cannabisblüten können durch Inhalation oder oral aufgenommen werden, zum Beispiel als Tee oder Gebäck. Eine optimale Verordnung bedarf daher spezieller medizinischer Expertise. „Die Ärztinnen und Ärzte, die medizinisches Cannabis verordnen, müssen ihre Patienten und Patientinnen über die möglichen Beeinträchtigungen bei der Teilnahme am Straßenverkehr aufklären. Insbesondere sollten sie zu Beginn der Therapie vom Führen eines Fahrzeuges abraten, und zwar so lange, bis die unerwünschten Nebenwirkungen nicht mehr auftreten und sie trotz Krankheit fahrsicher sind“, empfiehlt Lacroix.

Darüber hinaus müssten aber auch die Patientinnen und Patienten selbst ihre Fahrtüchtigkeit im Auge behalten und im Zweifelsfall auf das Fahren verzichten. „Sie werden im Straßenverkehr genauso behandelt wie andere Personen, die unter einer Dauermedikation stehen und zum Beispiel ein psychoaktives Arzneimittel verordnet bekommen haben“, erklärt Lacroix.

Problematisch ist, dass Cannabisblüten, die lose von den Apotheken auf Rezept abgegeben werden, über keinen Beipackzettel verfügen und von den Betroffenen selbst in Kleinstmengen, zum Teil bis unter 0,1 Gramm, dosiert werden müssen. Das Rezept muss daher eindeutige Angaben zum Drogenmaterial, zur Darreichungsform und zu den Einzel- und Tagesdosen enthalten.

„Von den Cannabispatientinnen und -patienten wird ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Verantwortlichkeit im Umgang mit der Medikation und bei Auftreten von Nebenwirkungen erwartet“, sagt Lacroix. Wenn das THC im Blut aus einer bestimmungsgemäßen Einnahme eines für den konkreten Krankheitsfall verschriebenen cannabisbasierten Arzneimittels herrührt und die Einnahme die Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigt, kommt es nicht zu Sanktionierungen gemäß dem Straßenverkehrsgesetz (StVG). Bei missbräuchlicher Einnahme derartiger Arzneimittel droht hingegen nicht nur eine Sanktionierung nach dem StVG, sondern zusätzlich der Verlust der Fahrerlaubnis. Patienten und Patientinnen sollten deshalb eine ärztliche Bescheinigung über ihre Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten oder eine Kopie des aktuellen Rezeptes über medizinisches Cannabis mit sich führen.

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